Reeperbahn Festival 2016 - So wars bei der Musik- & Digitalkonferenz
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Reeperbahn Festival 2016

Musik & Digitalisierung: So war das Reeperbahn Festival 2016

  |   Business, Konferenz, Music, Social Media, Soziale Netzwerke   |   No comment

Mein Name ist Lena und ich bin als Werkstudentin im Online Marketing bei Cybay New Media tätig. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien studiere ich den Master „Medien und Musik“. Da ist es nur logisch, dass auch 2016 ein Besuch auf dem Reeperbahn Festival auf dem Plan stand.

Seit mittlerweile elf Jahren findet das Festival in Hamburg statt und hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Musikwirtschaft weltweit entwickelt. Die viertägige Veranstaltung ist die größte ihrer Art in Deutschland und bietet neben rund 460 Konzerten ein breites Konferenz-Spektrum. Auch in diesem Jahr war die Digitalisierung eines der Hauptthemen des Konferenzprogrammes. Die interessantesten Erkenntnisse sollen hier nun kurz zusammengefasst werden.

Blockchain Reaction – Sind verteilte Datenbanken die Zukunft der Musikwirtschaft?

Die Blockchain-Technologie ist in aller Munde. Eine Blockchain besteht, wie der Name besagt, auf einer Kette von Blöcken. Unter einem Block wird eine Sammlung verschlüsselter Informationen verstanden, wie z.B. Zahlungsein- oder -ausgänge. Nach einem bestimmten Zeitraum wird ein neuer Datenblock generiert, der zusammen mit den anderen Blöcken die Blockchain bilden. Eine Blockchain ist sehr sicher, da die Daten auf vielen Rechnern verteilt sind und jeder Block verschlüsselt und mit anderen Blöcken verknüpft ist. So entsteht eine verteilte Datenbank.
Bekanntheit erlangte Blockchain durch die Kryptowährung Bitcoin, deren gesamtes Netzwerk auf diesem Datenbankprinzip basiert.

Alternative zum MP3-Format?

Benji Rogers ist Gründer und CEO der amerikanischen Musik-Crowdfunding-Plattform PledgeMusic. Seine Vision ist eine „Fair Trade Music Database„. Auf dem Reeperbahn Festival stellte er seinen dot-Blockchain-Codec vor, eine Alternative zu MP3-Dateien. In den Metadaten einer .bc-Datei sind transparent alle wichtigen Informationen zu Komponisten, beteiligten Musikern, Nutzungsrechten, Lizenzinhabern usw. hinterlegt. Im Gegensatz zur MP3-Datei lassen sich die Metadaten nicht nachträglich verändern. So entsteht eine zentrale Datenbank, in der sich die Rechte aller Rechteinhaber nachvollziehen ließen.
Was bedeutet das beispielhaft in der Praxis? Wird bei einem Streamingdienst wie Spotify ein Song gespielt, ruft der Dienst die entsprechende Blockchain-Datenbank ab und zahlt dann an den jeweiligen Rechteinhaber. Die Blockchain macht zudem Informationen verifizierbar und damit fälschungssicher. So kann illegalen Raubkopien vorgebeugt werden. Außerdem können Nutzungsrechte flexibler gestaltet werden. Ein Verbot, dass ein Lied zum Beispiel auf bestimmten Wahlveranstaltungen nicht gespielt werden soll, wäre dann leicht umsetzbar.

Blockchain schafft Transparenz

Heutzutage seien die Streaming-Daten noch sehr chaotisch und Transparenz herrsche ebenfalls nicht, bemängelte der Musikverleger Benjamin Bailer. Der Einsatz einer Blockchain würde dies zwar lösen, doch es besteht auch Skepsis: Beispielsweise könnten Nutzer eine .bc-Datei wieder in eine MP3-Datei umwandeln und so die Blockchain umgehen.

Hinter dieser Idee steckt zudem noch viel Idealismus, denn alle reden davon, doch kaum einer setzt sie bisher tatsächlich um. So sind sich sämtliche Speaker einig, dass eine Blockchain praktisch nur realisierbar ist, wenn von Label über Komponisten, Verwertungsgesellschaften usw. alle mitmachen. Der Geschäftsführer des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT), Jörg Heidemann, ist sich sicher, dass die Indie-Label an einem Strang ziehen würden, aber eben die Majors nicht, die aber einen Marktanteil 75 % bis 80 % ausmachen. Denn eine Blockchain bietet die Möglichkeit Transparenz zu schaffen und genau das wäre es, was die großen Labels nicht wollen würden, so Heidemann.

Es ist also noch ein langer Weg, der gegangen werden muss. Doch Benji Rogers ist sich sicher, dass es bald einen großen Blockchain-Anbieter geben wird, der die Technologie in der Musikindustrie etablieren wird.


Mehr zum Thema:

VR, MR & 360°- The Future of the Music Industry?

Virtual Reality (VR), Mixed Reality (MR) und 360° Videos bieten Musikkonsumenten ein besonderes Erlebnis und der Musikwirtschaft neue Umsatzmöglichkeiten. Bereits im September dieses Jahres übertrug die Telekom erstmalig in Deutschland ein Konzert als 360°-HD-Livestream.

Auf dem Reeperbahn Festival wurde darüber diskutiert, wie diese neue Technologie die Zukunft des Musikgeschäfts prägen wird. Mithilfe von VR können die Nutzer beispielsweise die Möglichkeit bekommen, virtuelle Konzertsäle und Musikfestivals zu betreten. Die Nachfrage zeige sich darin, dass schon heute die einfachen Livestreams von Musikfestivals hohe Abrufzahlen haben. Fans seien außerdem dafür bereit, für VR-Konzerte und 360° Videos Geld zu bezahlen. So könne der Umsatz der Musikindustrie gesteigert werden, meint Benji Rogers. Ganz anders sieht das Daniel Federauer vom Major-Label Sony Music. Er betrachtet VR eher als Zusatzangebot zum tatsächlichen Konzerterlebnis und sieht dort noch keine Umsatzmöglichkeiten.

Auswirkungen auf die Musikproduktion

Aber nicht nur die Liveindustrie, auch die Musikproduktion kann von diesen neuen Technologien profitieren. Denn diese sei laut Smudo von den Fantastischen Vier, schon immer abhängig von technologischen Entwicklungen. Bereits jetzt gibt es Software wie Sound Stage, die es Nutzern ermöglicht, virtuelle Musikinstrumente zu spielen. So bekommt jeder Mensch, egal wie begabt er ist, die Möglichkeit Musik zu machen. Zwar fehlt noch das haptische Feedback und auch das Nutzen der Finger kann noch nicht dargestellt werden, aber wie die Speakerin Sara Lisa Vogl, die einen kurzen Auftritt als VR-DJane absolvierte, gibt es schon Personen, die sowohl Musik mit VR produzieren, als auch live performen. Doch diese Technologie wird laut Smudo nichts daran ändern wie Musik live performt wird.

Die Musikindustrie kann also in Sachen VR und 360° Videos als Vorreiter agieren. Die weitere Etablierung kann außerdem mehr Marketing- und Kooperationsmöglichkeiten für Musikveranstalter und andere Unternehmen schaffen. Bereits jetzt weisen erste Untersuchungen nach, dass Werbung in Virtual Reality ansprechender als klassische Online-Werbung sei.

Reeperbahn Festival 2016 - VR, MR & 360°- The Future of the Music Industry?

Sara Lisa Vogl demonstrierte live ihre Künste als VR-DJane

Musiknetzwerk musical.ly: Nichts für alte Säcke!?

Was letztes Jahr noch Snapchat war, ist 2016 die Musik-Video-App musical.ly. Jugendliche dürfen sich nicht bei Facebook anmelden, YouTube finden sie nicht mehr so wichtig. Da kommt musical.ly ins Spiel. Mit der App lassen sich kurze Videoclips erstellen, die mit Musik unterlegt werden. Die Auswahl an Songs ist riesig, hinzu kommen Effekte wie Filter, Zeitraffer oder Zeitlupe mit denen die Videos bearbeitet werden können. Quasi eine moderne und digitale Version der Mini Playback Show. In Deutschland besonders erfolgreich sind die Zwillinge Lisa und Lena. Ihnen folgen über 10 Millionen muser, wie die Nutzer der App sich selbst nennen.

Wie die Jugend die musical.ly nutzt

Die beiden 12jährigen Schülerinnen Ella und Mia, die selbst muserinnen sind, berichteten auf dem Reeperbahn Festival über ihre Erfahrungen. Sie finden die Inhalte auf musical.ly spannender als auf YouTube. Ein weiterer Grund für die Nutzung ist, dass ihre Eltern diese Plattform (noch) nicht kennen und daher nicht kontrollieren. Alle in ihrer Klasse würden die App nutzen. In unregelmäßigen Abständen laden sie in der App Filmchen hoch oder schicken sich Videos, die die sie nicht hochladen wollten, in eigenen WhatsApp Gruppen zu. Denn auch das Herunterladen der Videos ist möglich.

Ella und Mia versuchten außerdem dem überwiegend unerfahrenen Publikum die App ganz praktisch mit einer eigenen Choreographie näher zu bringen. Das Ergebnis gibt es hier zu sehen:

Für die Musikindustrie gewinnt musical.ly zunehmend an Bedeutung. Vor wenigen Monaten hat musical.ly mit Warner Music einen Deal abgeschlossen und nun Zugriff auf den kompletten Musikkatalog. Gerüchten zufolge befindet sich auch Sony gerade in Verhandlungen. Die App ist bei den Labels beliebt, denn sie werden für die Verwendung der Musik in der App vergütet. Außerdem entdecken die NutzerInnen der App durch sie neue Musik. Für die Jugend stellt sie quasi einen Ersatz zur bisher etablierten Musikerkennungs-Software Shazam dar.

Außerdem bietet sich musical.ly als Werbeplattform an auf der insbesondere eine junge Zielgruppe angesprochen werden kann, wie beispielsweise die Werbekampagne für das Spiel „Guitar Hero live“ zeigt. Mit einer großen Reichweite, wie die musical.ly-Stars Lisa und Lena sie besitzen, werden zudem Product Placement und Influencer Marketing immer interessanter.

Wer sich intensiver mit musical.ly auseinandersetzen möchte, kann sich hier weiter einlesen:

Veranstaltungsmarketing in sozialen Netzwerken

Online Marketing über Facebook, YouTube und über Google-AdWords wird immer wichtiger für Veranstalter. So setzen beispielsweise schon jetzt die Holi Festivals nahezu ihr ganzes Marketing über Facebook um. Vertreter von FKP Scorpio, einem der größten Festival- und Konzertveranstalter Deutschlands, und der DEAG, einem führenden Anbieter von Live-Entertainment in Europa, berichteten auf dem Reeperbahn Festival über ihre Erfahrungen und gaben ein einige Tipps.

Vielfältige Marketingmöglichkeiten

Die geladenen Experten sind sich einig, dass deutsche Veranstaltungsunternehmen in diesem Bereich noch Aufholbedarf haben. „Content Marketing ist der Schlüssel zum Glück“, ist sich Hendrik Schisler, Head Of Digital & Marketing der DEAG, sicher. Dafür seien insbesondere Videos gut geeignet, wie z.B. Tour-Trailer. Denn Display-Werbung für Konzerte und Festivals sei oft nicht effektiv und gehe an der Zielgruppe vorbei. Der Leiter des Online-Teams bei FKP Scorpio, Dario Dumancic, bestätigt dies. Gut gemachter Content würde teils sogar Geld sparen. Letztendlich bliebe immer der Künstler der beste und wichtigste Absender.
Erfolgreich genutzt werden auch Remarketing-Maßnahmen, z.B. gerichtet an Personen, die sich die Tour-Trailer angeschaut haben oder schon einmal Tickets vom entsprechenden Künstler bzw. Festival gekauft haben.

Natürlich hat auch das Influencer-Marketing die Musikbranche längst erreicht, insbesondere bei großen Shows und Festivals. Zum einen laden die Veranstalter sie ein, um über bestimmte Events zu reden und so an Insights zu gelangen. Zum anderen werden sie auch für Aktionen wie Meet and Greets und Schnitzeljagden eingespannt.

Neue Technologien nutzen, alte Technologien nicht vernachlässigen

Livestreaming-Angebote wie Facebook Live würden in Zukunft wichtiger und sollten von Veranstaltern stärker berücksichtigt werden. Zukünftig seien es auch Messenger Bots, die Potential bieten. Insbesondere im Servicebereich wirken sie entlastend. Im Zusammenhang mit Musikveranstaltungen oft gestellte Fragen nach Einlasszeiten, Anfahrt und so weiter können mit ihrer Hilfe schnell beantwortet werden.

Bereits heute werden mehr als 50 % der Ticketkäufe für Musikveranstaltungen online getätigt. Mit der Einführung des Payment-Services Facebook Pay in den USA, vermuten die Speaker, dass dieser Service nach einem Start in Deutschland im Ticketverkauf deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte.

Trotz alledem dürfe die klassische Website nicht vernachlässigt werden. Dabei sollte natürlich ein responsives Webdesign gewählt werden. Denn auch in Bezug auf Konzertwerbung und Ticketverkäufe gewinnt Mobile Advertising immer mehr an Bedeutung.

Reeperbahn Festival – Fazit: Die Zukunft fest im Blick

Nachdem das Musikgeschäft zu Beginn der 2000er immens unter der Digitalisierung gelitten hat, ist dieses Thema enorm in den Fokus gerückt. Das Reeperbahn Festival 2016 bot wie immer einen guten Einblick in neue Trends, die Musikindustrie und Digitales betreffen. Zwar möchte kein Speaker der hier vorgestellten Sessions eine bindende Aussage treffen, ob die vorgestellten Technologien sich tatsächlich etablieren werden. Doch es zeigt sich, dass die Industrie dieses Mal auf Veränderungen eingestellt ist und sich mit neuen Technologien intensiv auseinandersetzt. Ein Umsatzeinbruch wie in Hoch Zeiten der Digitalisierung scheint so ausgeschlossen.

Quelle Beitragsbild: Lidija Delovska
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